Kieferknochenaufbau

Zufolge mangelnder Belastung beginnt nach dem Verlust eines oder mehrerer Zähne das Weichgewebe in dem betroffenen Bereich und später auch der Kieferknochen zu schrumpfen.
                       
Erfolgt über einen gewissen Zeitraum keine Versorgung der Zahnlücke oder Zahnlücken, kann die Schrumpfung des Kieferknochens so weit fortgeschritten sein, dass nicht mehr genug Knochenmaterial für eine implantologische Versorgung vorhanden ist. Der Erfolg einer Implantation ist vom Knochenangebot im Kiefer abhängig, daher muss gegebenenfalls das Knochenvolumen durch eine spezielle Operationstechnik aufgebaut werden. Dies ist notwendig, wenn der betroffene Kieferkammabschnitt kleiner als 8 mm Knochenhöhe und kleiner als 5 mm Knochenbreite darstellt.

Der Aufbau des Kieferknochens erfolgt entweder mit synthetischem Knochenersatzmaterial, das dem Knochen außergewöhnlich ähnlich ist, oder durch Schaffung eines geschlossenen Hohlraums, in den dann – ähnlich wie bei einem leeren Zahnfach nach einer Zahnentfernung – Knochensubstanz einwachsen kann. Knochengewebe wächst eigentlich genauso nach wie Weichgewebe, benötigt dafür jedoch aufgrund seiner niedrigen Stoffwechselrate wesentlich länger.

Üblicherweise erfolgt die Knochenaufbaumaßnahme beim Einsetzen der Implantate. Müssen jedoch größere Knochenbereiche ersetzt werden, empfiehlt es sich, erst den Knochenaufbau durchzuführen und die Implantate dann nach beendeter Ausheilphase, d.h. etwa 3 bis 6 Monate später einzusetzen.
 
Für etwa kleinere Knochenaufbaumaßnahmen verwendet man in der Regel Knochenspäne aus der Umgebung oder dem Bohrloch des Implantats, diese werden mit Hilfe spezieller Hohlzylinderfräsen, den sogenannten Trepanfräsen, oder mit einem Knochenhobel, dem sogenannten Safescraper, gewonnen. Bei einem Safescraper handelt es sich um ein chirurgisches Instrument zum Entnehmen und Aufnehmen von körpereigenem Knochen.
 
Ist die Schleimhaut und die Knochenhaut gelöst und die Knochenoberfläche in der Spenderregion freigelegt, schabt der Zahnarzt mit der halbkreisförmigen Schneidefläche des Safescrapers bis maximal 5 cm³ des körpereigenen Knochens ab, der dann in Form von Knochenchips in dem durchsichtigen, wegdrehbaren Auffangbehälter gesammelt wird. Aus diesem sterilen Behälter können die Knochenchips sodann entnommen und in das Empfängergebiet transplantiert werden. Hierbei ist zu beachten, dass die Implantatoberfläche komplett mit Knochen bedeckt wird, damit die oberen Gewindegänge des Implantats nicht frei liegen.

Als Spenderregion für die Gewinnung der Knochenspäne eignen sich die hinteren Abschnitte des Ober- und Unterkiefers genauso die zum Mundraum liegende Knochenfläche der Kinnregion. Bei der Gewinnung von größeren Knochenstücken mit Hilfe von großen Trepanbohrern werden diese entweder mit kleinen Schrauben am Kieferkammknochen angebracht oder in einer speziellen Knochenmühle zerkleinert. Bei solchen umfangreichen Knochenaufbaumaßnahmen, die jedoch nur selten notwendig sind, empfehlen sich eine Vollnarkose und gegebenenfalls ein stationärer Aufenthalt, indem kleinere Eingriffe ambulant und unter örtlicher Betäubung erfolgen.

Diese kleineren Knochentransplantationen können in der Regel gleichzeitig mit der Implantation durchgeführt werden, derweil muss bei umfangreichen Knochenaufbaumaßnahmen der transplantierte Knochen erst über mehrere Monate einheilen.
 
Alternativ zu körpereigenem Knochen lassen sich auch synthetische oder halbsynthetische Knochenersatzmaterialien, z.B. Tricalciumphosphat oder kurz TCP, sowie resorbierbare granulierte Keramiken unterschiedlicher Korngröße anwenden. Die in solchen Granulaten enthaltenen Mikroporen stehen miteinander in Verbindung und ermöglichen so das Einwachsen von Knochengewebe. In einem Zeitraum von 6 bis 12 Monaten werden die synthetischen Knochenmaterialen in Kontakt mit dem lebenden Knochen aufgelöst und von vitaler Knochensubstanz durchwachsen.

Diese Knochenersatzmaterialien finden auch beim Auffüllen an durch Parodontitis angegriffenen Zähnen mit Knochentaschen und fortgeschrittenen Zahnlockerungen Verwendung. Ihr Einsatz ist nicht wirklich kompliziert, da das mit Patientenblut vermischte Material direkt in den betroffenen Bereich eingespritzt oder appliziert werden kann.

Wenn zur Stabilisierung des Knochenersatzmaterials Membranen erforderlich sind, werden diese entweder vernäht oder mit Nägeln oder Schrauben am Knochen befestigt. Sie können sowohl aus synthetischem, nicht resorbierbarem Material, wie Titan oder Teflon, wie auch aus resorbierbarem Material bestehen, das sich nach 6 bis 12 Monaten völlig aufgelöst hat.
 
Der Vorteil von synthetischen Knochenersatzmaterialien liegt an der guten Gewebe-Verträglichkeit bei gleichzeitigem Ausschluss von allergischen Reaktionen. Eine zweite Operation zur Knochengewinnung ist nicht notwendig und eine Übertragung von Infektionen ausgeschlossen.

Jedoch ist das Verlustrisiko größer als bei körpereigenem Knochen und eine vollkommene Umwandlung in Eigenknochen ist nicht gewährleistet.

Aus Titan oder Teflon bestehende, also nicht resorbierbare Membranen zur Fixierung der Knochenspäne oder des Knochenersatzmaterials müssen 4 bis 6 Wochen nach dem chirurgischen Eingriff entfernt werden, in der Regel kann dies ohne eine weitere Operation und oft sogar ohne Anästhesie möglich sein, da die Membran oft frei liegt und leicht herausgezogen werden kann.

Das Risiko lässt  sich wie bei allen chirurgischen Maßnahmen von Komplikationen bei Knochenverpflanzungen nicht ausschließen. Wundschmerzen am Tag der Operation sind normal und lassen sich mit Schmerzmitteln mäßigen. Schon am Tag nach der Operation sollten keine größeren Schmerzen mehr bestehen, sofern die Wundheilung unbeeinträchtigt ist.
 
Jedoch wenn sich der verpflanzte Knochen oder das Knochenersatzmaterial um das Implantat entzündet, wird weiteres Knochengewebe abgebaut, dies führt dazu, dass nicht nur das Implantat, sondern auch das verpflanzte Knochenmaterial entfernt werden muss. Erst nach vollkommener Ausheilung, d.h. nach circa 6 bis 9 Monaten kann dann eine zweite Operation war genommen werden.

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